SuizidHilfe

Was ist Suizidhilfe?

Suizidhilfe aus ärztlicher Sicht

PDF Referat von Dr. med Peter Baumann, Zürich (Auszug ohne Folien), gehalten am 7. Januar 2002 für die Ärztegesellschaft des Kantons Zürich

Beihilfe zum Suizid als ärztliche Tätigkeit –
Weshalb wir heute zusätzlich zu Exit einen neuen Verein SuizidHilfe brauchen.

Ich begebe mich dabei über die Grenzen der heute allgemein anerkannten Freitodhilfe, derjenigen bei körperlich Todkranken, hinaus. Deshalb muss ich mein Gewissen besonders prüfen. Wie antworte ich auf die schwerwiegendste Frage: Die Inkonstanz der Suizidwünsche bei Menschen, die einen Suizidversuch hinter sich haben?

Einerseits die, die den Versuch überleben werden, andererseits die, die den Suizid vollenden werden, sind wohl zwei verschiedene Kollektive hinsichtlich Festigkeit und Eindeutigkeit der Todesabsicht – gerade auch der unbewussten Teile davon. Diese Kollektive werden durch den Ablauf mit einer Sterbehilfeorganisation recht zuverlässig gesondert: Hier muss ein Sterbewilliger wiederholt zur Bürozeit anrufen und dann drei Menschen nacheinander – dem Telefonisten, der Sterbehelferin, einem Arzt – seine Selbstbeurteilung darlegen. Das setzt einen zusätzlichen Bewusstseinsprozess – das Dazu-Stehen – voraus, und das wiederholte Darüber-Reden vertieft ihn nochmals.

Ich habe etwa 20 Menschen für Exit zur Frage untersucht, ob ich ihnen das Barbituratrezept machen könne. Nur bei zweien von ihnen konnte ich mir vorstellen, dass sie – mit oder ohne Suizidversuch – ein oder auch fünf Jahre später positiver sähen. Tatsächlich beendeten die Beiden unsere Zusammenarbeit ohne Suizid. Bei rund zwei Dritteln der anderen konnte ich in Übereinstimmung mit den Vorgaben das Rezept ausstellen. Den übrigen musste ich es entgegen meiner menschlichen Überzeugung verweigern.

Die Versuchung ist gross, bei jedem Suizidalen, der nicht wegen einer körperlichen Krankheit unabwendbar bald sterben muss, die krankhaften Wesenszüge als das Wesentliche zu diagnostizieren (und damit seine Urteilsfähigkeit leise in Frage zu stellen). Bei Menschen, die mich wegen ihrer Sterbeabsicht aufsuchen, möchte ich aber psychiatrische Diagnosen nur im engen Sinne brauchen. Und mir immer deutlich machen, dass auch diese Menschen jede weitere Therapie verweigern dürfen.

Auf 60’000 Todesfälle pro Jahr in der Schweiz kommen rund 1500 Suizide. Exit begleitet etwa 125 davon. Wir wissen nicht, wie viele Beihilfe beanspruchen werden, wenn sie breiter angeboten wird.

Suizid und Suizidbeihilfe wären auch aus ökonomischer Sicht zu betrachten. Hier ist das nicht möglich. Ich möchte es aber erwähnen, weil es nicht hilft, darüber hinwegzusehen.

Exit kann Nicht-Todkranken und psychisch Kranken nicht beim Suizid helfen. Deshalb brauchen wir heute zusätzlich einen Verein Suizidhilfe, der sich für die Akzeptanz des Suizids in der Öffentlichkeit einsetzt. Beim Einzelnen hat er folgende Aufgaben:

Kurz zusammengefasst: Wir sind der Überzeugung, dass diese Entängstigungs- und Beratungstätigkeit eine gute ärztliche Tätigkeit ist. Wir möchten, dass wir kein Ersuchen um Beihilfe zum Suizid mehr ablehnen müssen, wenn der Wunsch uns menschlich einfühlbar und verständlich ist.

>> Das vollständige Referat als PDF-File


www.suizidhilfe.ch

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